Let's Encrypt ist eine gemeinnützige Zertifizierungsstelle (CA), die kostenlose SSL-Zertifikate automatisiert per ACME-Protokoll ausstellt. Die Initiative wurde 2014 von der Internet Security Research Group (ISRG) gegründet und hat dazu beigetragen, HTTPS im Web zu verbreiten — laut eigenen Angaben wurden bis 2025 über 4 Milliarden Zertifikate ausgestellt. Let's Encrypt bietet ausschließlich Domain-Validated-Zertifikate (DV) mit eingeschränkter Laufzeit.
Let's Encrypt deckt einen klar definierten Anwendungsfall ab: automatisierte DV-Zertifikate für Websites und Server.
Die kostenlose Ausstellung hat ihren Preis in Form von Einschränkungen, die für viele Unternehmen relevant sind.
| Einschränkung | Details |
|---|---|
| Nur DV-Zertifikate | Kein OV (Organisation Validated) und kein EV (Extended Validation). Der Firmenname erscheint nicht im Zertifikat. Für Unternehmen, die ihre Identität nachweisen wollen, ist ein OV- oder EV-Zertifikat einer kommerziellen CA erforderlich. |
| Kurze Laufzeit | Aktuell 90 Tage, wird ab 2027 auf 45 Tage verkürzt (siehe unten). Erfordert zwingend Automatisierung — ein vergessener Erneuerungslauf führt zum Ausfall der Webseite. |
| Keine Garantie (Warranty) | Kommerzielle CAs bieten Garantiesummen (bis zu mehreren Millionen Dollar) für den Fall einer fehlerhaften Ausstellung. Let's Encrypt bietet keine solche Absicherung. |
| Kein persönlicher Support | Bei Problemen gibt es nur ein Community-Forum. Kein Telefon-Support, kein Ticket-System, keine garantierten Reaktionszeiten. |
| Rate Limiting | Maximal 50 Zertifikate pro registrierter Domain pro Woche. Bei vielen Subdomains oder häufigen Neuausstellungen kann das Limit erreicht werden. |
| Keine Wildcard ohne DNS-Validierung | Wildcard-Zertifikate erfordern die DNS-01-Challenge. Nicht alle Hosting-Umgebungen unterstützen automatisierte DNS-Änderungen. |
Let's Encrypt verkürzt die Zertifikatslaufzeit schrittweise von 90 auf 45 Tage. Das Standard-Profil, das die meisten Nutzer betrifft, entwickelt sich wie folgt:
| Zeitpunkt | Standard-Laufzeit |
|---|---|
| Bis Februar 2027 | 90 Tage |
| Ab Februar 2027 | 64 Tage |
| Ab Februar 2028 | 45 Tage |
Parallel dazu gibt es demnächst zwei optionale Kurzzeit-Profile für Betreiber mit vollständig automatisierter Infrastruktur: Zertifikate mit 45 Tagen bzw. 6 Tagen Laufzeit. Diese müssen aktiv gewählt werden — wer nichts ändert, erhält weiterhin die Standard-Laufzeit.
Für Unternehmen ohne eigene Automatisierung bedeutet die Verkürzung ein wachsendes Risiko: Ein vergessener oder fehlgeschlagener Erneuerungslauf führt schneller zum Ausfall der Webseite. Let's Encrypt empfiehlt deshalb ausdrücklich, ein Monitoring einzurichten, das bei fehlgeschlagenen Zertifikatserneuerungen sofort Alarm schlägt. Kostenpflichtige SSL-Zertifikate mit längerer Laufzeit bieten hier mehr Planungssicherheit.
Als größte CA weltweit hatte Let's Encrypt mehrere Vorfälle, die das Vertrauen belastet haben.
Let's Encrypt eignet sich für bestimmte Anwendungsfälle, stößt aber bei geschäftskritischen Einsätzen an Grenzen.
| Anwendungsfall | Let's Encrypt | Kostenpflichtiges SSL-Zertifikat |
|---|---|---|
| Persönlicher Blog | Ausreichend | Nicht nötig |
| Unternehmenswebsite | Grundschutz möglich | OV-Zertifikat empfohlen (Firmenidentität) |
| Online-Shop | Bedingt geeignet | OV- oder EV-Zertifikat empfohlen (Vertrauen, Warranty) |
| Viele Subdomains | Rate Limits beachten | Wildcard-Zertifikat ohne DNS-01 möglich |
| Maximale Planungssicherheit | 45-Tage-Erneuerung ab 2028 | Längere Laufzeiten verfügbar |
| Support bei Problemen | Nur Community-Forum | Persönlicher Support |
Let's Encrypt hat HTTPS im Web verbreitet und stellt kostenlose DV-Zertifikate per ACME automatisiert aus. Für persönliche Projekte und einfache Websites ist das oft ausreichend. Für Unternehmen gelten jedoch Einschränkungen: keine Organisationsvalidierung, keine Warranty, kein persönlicher Support und eine Laufzeit, die bis 2028 auf 45 Tage sinkt. Wer seine Firmenidentität im Zertifikat nachweisen, Garantie-Schutz erhalten oder nicht von vollständiger Automatisierung abhängig sein möchte, ist mit einem SSL-Zertifikat einer kommerziellen CA besser beraten.
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