ACME (Automatic Certificate Management Environment) ist ein offenes Protokoll zur automatischen Beantragung, Validierung und Erneuerung von SSL-Zertifikaten. Entwickelt von der Internet Security Research Group (ISRG) fuer den Einsatz mit Let's Encrypt, ist ACME seit 2019 als RFC 8555 standardisiert. Das Protokoll ersetzt den bisher manuellen Prozess der Zertifikatsverwaltung durch eine vollstaendig automatisierte Maschine-zu-Maschine-Kommunikation zwischen dem Webserver und der Zertifizierungsstelle (CA).
Ohne ACME sieht der Prozess zur Beschaffung eines SSL-Zertifikats typischerweise so aus: CSR generieren, bei einer CA einreichen, Domain-Validierung durchfuehren (E-Mail, DNS-Eintrag oder Datei auf dem Server), Zertifikat herunterladen, auf dem Server installieren, Webserver neu starten. Vor Ablauf des Zertifikats muss der gesamte Prozess wiederholt werden.
Dieser manuelle Ablauf ist fehleranfaellig. Vergessene Erneuerungen fuehren zu abgelaufenen Zertifikaten, die Browser-Warnungen ausloesen und Besucher abschrecken. Mit den immer kuerzer werdenden Zertifikatslaufzeiten — ab 2029 maximal 47 Tage — wird manuelle Verwaltung schlicht unmoeglich. ACME automatisiert jeden einzelnen Schritt.
ACME basiert auf einem Challenge-Response-Verfahren. Der Ablauf gliedert sich in drei Phasen:
/.well-known/acme-challenge/ auf dem Webserver ab. Die CA ruft diese URL ab.Die gesamte Kommunikation erfolgt ueber HTTPS im JSON-Format. Alle Anfragen sind kryptografisch signiert, um Manipulation zu verhindern.
Ein ACME-Client ist die Software, die auf dem Server laeuft und mit der CA kommuniziert. Es gibt zahlreiche Implementierungen fuer verschiedene Umgebungen:
ACME wurde fuer Let's Encrypt entwickelt, wird aber inzwischen von weiteren Zertifizierungsstellen unterstuetzt:
Die vom CA/Browser Forum beschlossene Verkuerzung der Zertifikatslaufzeiten macht ACME faktisch verpflichtend. Bei einer maximalen Laufzeit von 47 Tagen ab 2029 muessen Zertifikate etwa alle 30 Tage erneuert werden — das sind zwoelf Erneuerungen pro Jahr und Domain. Ohne Automatisierung ist das nicht zuverlaessig umsetzbar.
Auch die Domain-Validierung muss ab 2029 alle zehn Tage wiederholt werden. ACME erledigt beides in einem einzigen automatisierten Vorgang. Hosting-Anbieter, die Webhosting-Pakete mit SSL bereitstellen, setzen ACME laengst im Hintergrund ein. Betreiber eigener Server sollten die Umstellung nicht aufschieben.
Das Protokoll ist kryptografisch abgesichert. Jeder Account besitzt ein asymmetrisches Schluessel-Paar, mit dem alle Anfragen signiert werden. Die Challenges stellen sicher, dass nur der tatsaechliche Betreiber einer Domain ein Zertifikat erhalten kann.
Sicherheitsrelevante Aspekte im Betrieb:
ACME ist das Standardprotokoll fuer die automatische Verwaltung von SSL-Zertifikaten. Es automatisiert Beantragung, Domain-Validierung und Erneuerung in einem durchgaengigen Prozess. Mit der schrittweisen Verkuerzung der Zertifikatslaufzeiten wird ACME von einer bequemen Option zur technischen Notwendigkeit. Die Einrichtung erfordert einmaligen Aufwand — danach laeuft die Zertifikatsverwaltung ohne manuelles Eingreifen.
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