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Solid Protocol

Zuletzt aktualisiert: 02.06.2025Autor: Redaktion DomainProvider.de · Lesezeit: 4 Min.

Das Solid Protocol (Social Linked Data) ist eine Spezifikation für dezentrale Datenspeicherung im Web, die von Tim Berners-Lee, dem Erfinder des World Wide Web, initiiert wurde. Das Grundprinzip von Solid besteht darin, die Speicherung persönlicher Daten von den Anwendungen zu trennen, die auf diese Daten zugreifen. Nutzer speichern ihre Daten in sogenannten Pods (Personal Online Data Stores), über die sie die volle Kontrolle behalten, und gewähren Anwendungen gezielt Zugriff auf bestimmte Datenbereiche. Dieser Ansatz steht im Gegensatz zum heutigen Modell, bei dem jede Anwendung ihre eigene Kopie der Nutzerdaten anlegt und verwaltet.

Wie funktioniert das Solid Protocol?

Das Solid Protocol baut auf bestehenden Webstandards auf und nutzt diese konsequent für die dezentrale Datenverwaltung:

  • Pods: Ein Pod ist ein persönlicher Datenspeicher, der auf einem Server betrieben wird. Jeder Nutzer kann einen oder mehrere Pods besitzen, die bei verschiedenen Anbietern oder auf einem eigenen Server gehostet werden. In einem Pod werden alle persönlichen Daten abgelegt, von Profilinformationen über Fotos bis hin zu Dokumenten und Kontakten.
  • WebID: Jeder Nutzer identifiziert sich über eine WebID, eine eindeutige URI, die als dezentrales Identitätssystem dient. Die WebID ersetzt die heute üblichen Benutzernamen-Passwort-Kombinationen bei einzelnen Diensten durch eine einheitliche, selbstverwaltete Identität.
  • Linked Data: Solid verwendet RDF (Resource Description Framework) und andere Linked-Data-Technologien, um Daten in einem maschinenlesbaren, verknüpfbaren Format zu speichern. Dadurch können verschiedene Anwendungen dieselben Daten verstehen und verarbeiten, ohne dass proprietäre Schnittstellen nötig sind.
  • Zugriffssteuerung: Der Pod-Besitzer legt über feingranulare Berechtigungen fest, welche Anwendung oder Person auf welche Daten zugreifen darf. Diese Berechtigungen können jederzeit erteilt, geändert oder entzogen werden.

Was unterscheidet Solid von herkömmlichen Webanwendungen?

Im heutigen Web speichern Anwendungen die Daten ihrer Nutzer auf eigenen Servern. Wenn Sie beispielsweise ein soziales Netzwerk, einen Cloud-Speicher und eine Notiz-Anwendung nutzen, liegen Ihre Daten an drei verschiedenen Orten bei drei verschiedenen Anbietern. Ein Wechsel des Anbieters bedeutet oft den Verlust Ihrer Daten oder einen aufwendigen Export-Import-Prozess.

Solid kehrt dieses Verhältnis um: Ihre Daten bleiben in Ihrem Pod, und Anwendungen greifen nur mit Ihrer Erlaubnis darauf zu. Sie können eine Anwendung wechseln, ohne Ihre Daten zu verlieren, da diese weiterhin in Ihrem Pod gespeichert sind. Anwendungen werden zu austauschbaren Werkzeugen, die auf dieselbe Datengrundlage zugreifen.

Welche Rolle spielt Tim Berners-Lee?

Tim Berners-Lee begann die Arbeit an Solid 2015 am Massachusetts Institute of Technology (MIT). Sein Ziel war es, das Web wieder stärker an seinen ursprünglichen Prinzipien auszurichten: Dezentralisierung, Offenheit und Nutzerkontrolle. 2018 gründete er gemeinsam mit John Bruce das Unternehmen Inrupt, um die kommerzielle Entwicklung und Verbreitung von Solid voranzutreiben.

Berners-Lee grenzt Solid bewusst von Blockchain-basierten Konzepten ab. Er kritisiert an Blockchain-Ansätzen die Öffentlichkeit der gespeicherten Daten und die hohen Kosten für Transaktionen und Infrastruktur. Solid setzt stattdessen auf bewährte Webtechnologien und offene W3C-Standards.

Solid und die Abgrenzung zu Web3

Obwohl Solid und das als Web3 bezeichnete Konzept beide eine Dezentralisierung des Internets anstreben, unterscheiden sie sich grundlegend in ihrer technischen Umsetzung. Web3 basiert auf Blockchain-Technologie und Kryptowährungen, während Solid auf bestehende Webstandards wie HTTP, RDF und WebID aufbaut. Berners-Lee bezeichnet sein Konzept manchmal als „Web 3.0" in Abgrenzung zum Blockchain-basierten „Web3" und betont, dass eine Dezentralisierung des Webs keine neue Infrastruktur erfordert, sondern auf den vorhandenen Protokollen aufbauen kann.

Für Betreiber von Servern und Hosting-Infrastruktur ist Solid insofern relevant, als Pod-Server auf bestehender Webinfrastruktur betrieben werden können. Ein Pod-Server ist technisch gesehen ein Webserver mit einer speziellen Software, der Daten nach dem Solid-Protokoll speichert und über standardisierte Schnittstellen bereitstellt. Anbieter von Webhosting und VPS können Solid-Pod-Hosting als zusätzlichen Dienst in ihr Portfolio aufnehmen.

Wie können Sie Solid nutzen?

Um Solid zu nutzen, benötigen Sie einen Pod bei einem Pod-Anbieter oder auf einem eigenen Server. Inrupt und die Solid-Community bieten Implementierungen an, mit denen ein Pod-Server auf einem eigenen VPS eingerichtet werden kann. Anschließend können Sie Solid-kompatible Anwendungen verwenden, die auf Ihren Pod zugreifen, anstatt eigene Datenkopien anzulegen.

Die Verbreitung von Solid befindet sich noch in einem frühen Stadium. Es gibt erste Anwendungen und Pilotprojekte, etwa in Flandern, wo die Regierung Solid-Pods für Bürgerdaten erprobt. Für Webseitenbetreiber und Domain-Inhaber bietet Solid langfristig die Möglichkeit, ihren Nutzern eine datenschutzfreundliche Alternative zu herkömmlichen Datenmodellen anzubieten, bei der persönliche Daten unter der Kontrolle der Nutzer bleiben und über deren eigene DNS-Adresse erreichbar sein können.